Viktualiebrodern

Probewahl der schwedischen Piraten – Ergebnis

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Pannen und was daraus gelernt werden kann.

Kort för svenska läsare: Jag berättar om resultatet av primärvalet, med något om problem och erfarenheter som kan dras.

Ed, 16.12.2013: Dies betrifft der Wahl in 2010. Für die in 2014 anstehende Reichstagswahl liegt das Ergebnis der Probewahl spät Samstag 21.12.2013 vor. Von insgesamt 63 nominierten Kandidaten werden es maximal 40 auf die Reichgemeinsame Liste schaffen. Parteiregionen die das wollen können auch regionale Listen aufstellen. Wie in 2010 wird die Entscheidung nach der Condorcet-Schulze-methode erzielt. Diesmal nicht moderieriert bez. Geschlechts der Kandidaten.

Kurz für deutsche Leser: Ich entschuldige mich schon im vornherein für (häufigen) Sprachfehler. Mir fehlt die Zeit um den Text besser als ”lesbar” zu fertigen.

Am 17.01 ist der Nominierungsprozess der schwedischen Piratenpartei für die in september 2010 anstehende Reichstagswahl abgeschlossen worden. Nicht ganz reibungslos, es gibt vieles das das nächste Mal besser funktionieren muss.

Ich habe schon über das schwedische Wahlsystem aus piratischer Sicht berichtet. Um einiges noch zu wiederholen, sollten insgesamt 82 Kandidaten ausgewählt werden, davon 10 ”Reichsnamen”, die auf den sechs Regionallisten auf die ungeradzahligen Plätze 1-19 erscheinen sollte, und dann aus der jeweiligen Region 12 Namen, die dann aber die geradzahligen Plätze 2-20 und 21, 22 füllen sollte. Warum es gerade 22 waren, und wie das Wahlsystem funktioniert ist im erwähnten Post schon erläutert.

Es wurde ein freies Kandidieren erlaubt, und insgesamt 227 Personen, davon 33 Frauen haben sich zur Wahl gestellt.

Hier gab es die erste Punkt der Kritik: Wie ist es denn möglich für einen Wähler sich über so viele Kandidaten zu erkundigen? Überhaupt, und insbesonders wenn nur etwa ein wenig über die Hälfte einen eigenen Blogg besass, oder einen Ausfragethread im Forum öffnete? Wäre einen Nominierungsausschuss denn nicht sinnvoller gewesen, die die Unseriösen von Anfang an aussortieren könnte?

Der Modus

Jeder Wähler durfte 22 Namen auswählen, und zwar nach bevorzugter Reihenfolge, und das ohne Rücksicht auf Regionszugehörigkeit weder vom Kandidaten noch vom Wähler. Die abgegebenen Stimmen wurden dann nach Condorcet, implementiert nach der Schulzemethode ausgewertet. Eine Nerd-lösung die zur Piratenpartei sehr gut passt! Bei der Diskussion von den letzten Fragezeichen der Auswertung hat sogar Herr Schulze selbst teilgenommen!

Ein kleines Aber: Es wurde auch sehr kontroversiell, vorher eine Quotenregelung entschieden, sodass von dem benachteiligen Geschlechts mindestens 30% auf die Listen stehen sollte. 30% von 82 sind 25, von den 33 zur Wahl stehenden Frauen. Noch dazu: Den ersten (Reichsname) und zweiten (erste Regionalname) sollten verschiedenen Geschlechts sein. Die letztere Regelung hat für Probleme gesorgt.

Technische Lösung

Es wurde ein Grenzschnitt hergestellt, das sich als sehr unpraktisch und langsam erwiesen hat. Was auch viel Kritik geerntet hat. Der Grund dafür war, das die Partei nach den erfolgreichen Europaparlamentswahlen ermüdet war, und als eine Implementierung dringend nötig wurde, musste der Gründer und Parteivorsitzender Rick Falkvinge in grösster Eile einspringen um ein System aus dem Boden stampfen. Die Verantwortung für die Aufgabe hätte schon im Laufe der Sommer 2009 an einem Ausschuss übergeben werden müssen. Es wurde auch kritisiert, das es keine Möglichkeit gab, notfalls über Schneckenmail eine Stimme abgeben zu können.

Wahlbeteiligung

Die Schwierigkeit sich unter 227 Kandidaten zurechtzukommen und die unpraktische technische Lösung hat dazu beigetragen, das am Ende nur genau 1300 Mitgliedern an der Wahl teilgenommen haben. Und das von über 48 000 Mitgliedern. Dabei muss man auch zur Kenntnis nehmen, das vielleicht sogar der Löwenpart von diesen den Beitritt als eine Art Kampfhandlung gesehen haben, im Zusammenhang mit dem Gerichtsurteil gegen The Pirate Bay und die Debatte um den Abhördienst FRA. Die Mitgliedschaft ist ausserdem Beitragsfrei.

1300 Stimmen, etwa ”der harte Kern” der Piratenpartei, haben immerhin gereicht um die Legitimätet des Nominierungsprozesses zu sichern. Ambitionnierte Versuche seitens einige Blogger wurde auch getan um in den Kandidatendickicht Orientierung zu finden. Kandidaten die a) Keinen Aufragethread im Forum öffnete, b) kein Blog hatten oder c) von Basisarbeit unbekannt waren, standen natürlich schlecht dran.

Ergebnis

Eine Auflistung des Ergebnis gibt es hier. Die von den Wählern bevorzugte Reihenordning (unter den 22), sind da noch nicht berücksichtigt worden. Nachdem das getan worden war, erstellte sich diese Reihenfolge. Die ersten zehn belegen also die ungeradzahligen Plätze 1-19 auf allen sechs Regionallisten. Wie diese Listen dann letzendlich aussahen ist hier zu finden (die ersten aufgelisteten sind eine simulierte Piratenfraktion nach den Reichstagswahlen am 19 september).

Geschlechtsverhältnis

Bemerkenswert ist, das von den ersten 10 sind 6 Frauen, das heisst eine Quotierung zeigte sich am Ende gar nicht nötig! Grund hierfür ist, meiner Einschätzung nach, das a) Die Frauen als Ausnahme von Piratennorm leichter erkennbar waren, b) Viele Wählern waren einfach überfordert aus den 227 22 Namen auszuwählen, sondern haben unter der drohende Quotierung mit weiblichen Kandaten so zu sagen ”nachgefüllt”, teilweise blind, nachdem sie ihr bewusstes Wahl getroffen haben. Das letzte ist meine äusserst subjektive Einschätzung.

Das bestimmt nicht alle Frauen hochquotiert werden musste, zeigt den dritten Platz von Gun Svensson, ”Oma Gun” (Farmor Gun), die mit 73 Jahren ein beeindrückendes Verständnis von sowohl Integritäts- als auch Internetfragen besitzt.

Es ist sogar dazu gekommen, das auf der Südliste einen männlichen Kandidaten auf einer Stelle hochquotiert werden musste! Allgemeines Gelächter…

Quotentochter

Leider hat der Demokratie an einer Stelle versagt, ungeeignete Kandidaten auszusondern. Die Mitte-liste, die schwachste Region sowieso, ist es passiert das die dort gewinnende Frau sich aus dem Rennen wegen Familiegründe trennen musste. Weil die Quotierungsregelung an der zweite Stelle eine Frau vorsah (Rick Falkvinge steht auf allen Listen als erster), ist die 56-Jährige Yvonne Lindvall an drei Männer vorbei (also sechs Plätze) hochkatapultiert. Allgemeine Fassungslosigkeit, denn sie hatte weder einen Blogg noch einem Ausfragethread und von der Basisarbeit war sie auch völlig unbekannt. Als sie dann anschliessend bei der Lokalzeitung Geld für einen Interview verlangte, war das Mass voll und von vielen wurden die Rücktritt diese offensichtlich unbalansierte Frau gefordert. Da der Wahl nur empfehlend war, hat der Vorstand auch schnell reagiert, und sie von der Liste gezogen. Was nebenbei zur Folge hatte, das die Quotierung für die Mitte-liste nicht mehr möglich war, wegen Mangel an Frauen.

Noch mehr Kritik

Da das technische System von Rick Falkvinge konstruiert wurde, hatte er und Vize Anna Troberg während des Wahlverlaufs Einsicht in die Zwischenergebnisse (nicht in wer hat wen gewählt, das blieb geheim). Da die beiden auch zur Wahl standen, hat das eine Welle von Kritik gebracht, besonders als sie noch am Wochenende vor dem Schluss rund 30 ”gutstehende” Kandidaten zur Fotografierung angerufen haben, um ganz schnell nach der Wahl pressetaugliche Bilder zu haben. Rick hat sich dafür entschuldigt, und Rick und Anna haben ihre eigene Stimmen enthalten.

Und ich?

Mein eigenes Ergebnis? Naja ich bin, nach dem Ausscheiden von Yvonne Lindvall, auf Platz 18 der Mitte-liste gelandet. Von den 1300 wählenden haben 35 mich gewählt, davon aber 12 auf einen von den ersten 5 Plätzen. Damit bin ich zufrieden, immerhin habe ich mich erst sehr spät entschieden ins Rennen zu gehen – ich hatte vorher keinen Blogg und war nur unter Pseudonyme im Forum bekannt. Und IRL kante ich auch nicht so viele. Mit so vielen Kandidaten war es auch sehr schwierig im Lärm gesehen und gehört zu werden. Rein theoretisch könnte ich ins Reichstag einziehen. Erst musste dann natürlich PP die 4%-Hürde knacken, noch dazu mussten mindestens 8% der PP-Wähler im Mitte mich ankreuzen. Eher unwahrscheinlich aber…

Jetzt fängt die eigentliche Arbeit erst an!

Ich beantworte sehr gern irgendwelche Fragen.

Ich heisse Bengt Jonsson und stehe auf Platz 18 auf der Regionalliste Mitte der schwedischen Piratenpartei für den Reichtagswahl 2010.

Ed: Eine Zeile aus einem Couplet von Otto Reutter kommt mir vor, ”Sei Modern” aus 1929

Hauptsach’, daß du vorne schwedisch bist,
wenn der hint’re auch bloß „Schulze“ ist

Nur so vom Tema schwedish und Schulze…🙂

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Written by viktualiebroder

26 januari 2010 den 23:11

6 svar

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  1. […] Probewahl der schwedischen Piraten – Ergebnis « Viktualiebrodern […]

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Piratbloggar and Anders Andersson, mBloging Tester. mBloging Tester said: RT @SM5POR: RT @piratbloggar Viktualiebrodern: Probewahl der schwedischen #Piraten – Ergebnis http://tinyurl.com/yjrfpqg #ppse #schulze […]

  3. Vielen Dank für deine Beiträge auf Deutsch.🙂

    wolfgangp

    28 januari 2010 at 09:37

  4. Mache ich gerne🙂

    Die deutsche PP wird mit sicherheit Fehler machen. Es ist aber unnötig das sie die der schwedischen wiederholen.

    viktualiebroder

    28 januari 2010 at 10:13

  5. Hoffentlich klappt es mit den 4% – die Personen sind doch weniger wichtig (, solange es keine Deppen sind, die Geld für ein Interview nehmen wollen.)

    Ich drücke Euch die Daumen!

    Gruß
    Lars

    Lars

    18 september 2010 at 19:48

  6. Danke!

    Es sieht aber schlecht aus mit dem Knacken der Hürde. Nach den Umfragen ist wohl ein Ergebnis von 1- 1,5 % wahrscheinlicher.

    1% wäre schön – dann müssen wir nicht mehr dafür sorgen dass die Wahlzettel an alle Stimmlokale verteilt werden. Das ist sehr belastend im Endspurt sich darum kümmern zu müssen. Im Moment (Samstag Abend 20 Uhr) haben wir knapp 92% geschafft.

    Mit 2,5% bekommen wir staatliche Förderung.

    Ich werde Ende nächste Woche eine Wahlbericht auf deutsch schreiben.

    viktualiebroder

    18 september 2010 at 20:12


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