Viktualiebrodern

Vitalieschwestern und LikedeelerInnen

with 21 comments

Sei begrüsst!

Wie das eigentlich geschehen ist, davon habe ich keine Ahnung. Das Netz lebt eben. Aber irgendwie bekomme ich im Moment einen, für diesen Blog, recht grossen Zulauf aus Deutschland. Also, der Kraft dazu, alles ins Deutsch zu übertragen werde ich wohl nicht finden. Aber es geht darum, das deutsche Blogbeben bezüglich die Piratenpartei und die Genusfrage letzten September an das schwedische Piratenpublikum in einer Reihe von Posts zusammengefasst weiterzugeben.

Hintergrund ist der Nominierungsprozess für den Reichtagswahl in September 2010, wo sich etwa 230 Kandidaten, wovon 33 Frauen, um 82 Listenplätze bewerben.

Der Parteivorstand hat entschieden eine Quotenregelung durchzuführen, mit der Begründung ”wir wollen im Wahlkampf nicht über Geschlecht reden sondern über unsere Politik”, so etwa die Vize Anna Troberg. Mindestens 30% sollen Frauen sein. Die Frauenquote in der Partei beträgt im Moment 12,8%.

Was in der Praxis dann bedeutet, dass die 33 Frauen sich um ungefähr 25 Listenplätze bewerben, und die 197 Männer sich um die restierende 57 Plätze. Ungefähr, weil der Algoritmus ist ziemlich intrikat. Natürlich hat die Vorstandsentscheidung für Unruhe in den Reihen gesorgt…

Ich kandidiere selbst. Als Mann.

Übrigens hat eine Kandidatin, Ellen Söderberg, entschieden, als Protest gegen die Quote, sich als Mann (Erik Söderberg) zu kandidieren.

Ich heisse Bengt Jonsson und kandidiere zur Nominierung zu Reichtagskandidat für Piratpartiet in September 2010.

Ed: Der Erwartungswert des Algorithmus liegt also auf 30%. Es kann anders ausfallen. Wenn sich IT-Leute mit Staatswissenschaftlern treffen bleibt Durchsichtigkeit eben auf der Strecke…

Aber erst wird abgestimmt, dann verballh…eh verbessert meine ich ja.

Ed2: Offenbare Sprachfehler berichtigt.

Ed3: Noch mehr über das schwedische Wahlsystem aus piratischer Sicht

Written by viktualiebroder

07 december 2009 den 22:45

Publicerat i Auf deutsch, Feminism, Piratpartiet

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21 svar

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  1. […] Dezember 2009 · Kommentar schreiben Nur ganz kurz der Link. Ich bin selbst noch unentschlossen, wie ich das […]

  2. Wer darüber weg ist, über’s Geschlecht zu reden, braucht auch keine Frauenquote.

    Carsti

    08 december 2009 at 11:28

  3. […] Vitalieschwestern und LikedeelerInnen « Viktualiebrodern Die Schwedische Piratenpartei hat eine Quotenregelung eingeführt. "Natürlich hat die Vorstandsentscheidung für Gewirbel gesorgt…" (tags: feminismus piratenpartei schweden politik frauen geschlecht gender quote) […]

  4. […] Kandidatenlisten zusammen. Bengt Jonsson vermeldet  heute wertungsfrei, die Piratpartiet habe eine 30%ige Frauenquote fuer die Zusammenstellung der Listen eingefuehrt.  Ein schwedischer Pirat, der  zur Zeit auf einen Listenplatz bei der anstehenden […]

    Frauenquote bei Piraten?

    08 december 2009 at 12:40

  5. Hallo Carsti

    Eben auch die Tatsache dass es hier um eine rein taktische Begründung geht, ist an sich ein Punkt der Kritik.

    Es mag auch, m.E., daran etwas liegen. Mit nur etwa 15% Frauen anzutreten hätte in einigen Kreisen politischen Selbstmord bedeuten können. Das es ziemlich feige und kurzsichtig ist, meine ich aber auch.

    viktualiebroder

    08 december 2009 at 13:38

  6. […] Vitalieschwestern und LikedeelerInnen « Viktualiebrodern Die Schwedische Piratenpartei hat eine Quotenregelung eingeführt. "Natürlich hat die Vorstandsentscheidung für Gewirbel gesorgt…" (tags: feminismus piratenpartei schweden politik frauen geschlecht gender quote) […]

  7. Zu schade das dieses Thema auch in Schweden noch ein Thema ist.

    Wir ihr sicher wisst ist auch die deutsche Piratenpartei unter Beschuß von ausserhalb, wegen ihrer angeblichen Frauenfeindlichkeit. Hauptargumentation aus vor allem dem grünen Lager: Das Fehlen einer Frauenquote.

    Bislang haben wir uns gegen diesen Dummfug recht gut zur Wehr setzen können. Ich hoffe ihr macht der Parteispitze klar, das eine Quote nur Ungleichheit zementiert, statt für Gleichberechtigung zu sorgen.

    Ich wünsche euch jedenfalls viel Erfolg.

    Mela

    Mela

    08 december 2009 at 19:53

  8. Dem Klischeebild in der Piratenpartei entspreche ich nicht, denn ich bin viel aelter als der Durchschnitt und dazu eine Frau. Stoert mich aber nicht, und ich denke, das wird sich auch entwickeln. Wichtig ist doch, dass man da keine Hektik macht, um Kritik aus dem Weg zu gehen (das ist viel noetiger bei anderen Punkten, wo es z.B. Beifall von Rechten gibt), sondern die Bedingungen schafft, dass Frauen Interesse an Engagement und Mitmachen haben, dann tun sie das auch.

    by

    09 december 2009 at 03:54

  9. Hallo Svara,

    erstmal Glückwunsch zum hervorragenden Deutsch. Bin schwer beeindruckt.

    Bezüglich der Sache selber dachte ich, ich falle vom Stuhl, als ich das mit der Frauenquote gestern las. Nun wissen wir in Deutschland ja herzlich wenig über die Verhältnisse in Schweden (außer durch Krimilektüre), und dass man ohne Quote in bestimmten Kreisen unwählbar sei, mag stimmen; solche Kreise gibt es gewiss in Deutschland auch, aber sie sind überschaubar.

    Trotzdem dachte ich, wir Piraten sind über dieses Thema hinaus, und zumindest hier kommen Anfeindungen nur von außen – die echten Piratenbräute machen sich darum keinen Kopf.

    Und das finde ich auch gut so.

    PS: Ich bin ein Mann. Aber ich halte das in diesem Zusammenhang für zweitrangig.

    BlackBuccaneer

    09 december 2009 at 07:15

  10. Hallo Mela, Hallo BlackBuccaneer

    Die Quotenregelung ist schon entschiedene Sache, und egal was man darüber denkt muss man/frau damit leben. Politik ist *weiter* gehen zu wollen, lautet ein berühmter Satz vom ehemaligen schwedischen Premier Olof Palme. Und da hatte er recht. Nostalgie bringt nichts.

    Meine Aufgabe sehe ich jetzt nur so, so treu wie ich denn kann, die deutsche Debatte für ein schwedisches Publikum weiterzugeben.

    Um Schweden und Deutschland in dieser Hinsicht zu vergleichen, denke ich dass die Stimmung in SE eigentlich weniger gereizt ist – die Frauen sind schon weiter gekommen, wenn ich mich jetzt so ”unbedarft” ausdrücken darf. Man muss aber klar sein, dass der Widerstand gegen die Überwachungsgesellschaft seitens der PP nicht zuletzt in queer/schwule Kreisen anklang gefunden hat (aus Gründe die leicht zu verstehen sind), und dort kann ich mir durchaus vorstellen das Genusfragen schon von grösster Bedeutung sind.

    Hallo Anonyme Nichtklischee

    Ja ich kann mir vorstellen das es ein komischer Beigeschmack hat selbst eine Überwindungsarbeit zu leisten um dann festzustellen dass man von Aussenstehenden nicht als sich selbst, sondern…als was anderes betrachtet wird.

    Und ja keine Hektik, meine ich auch. Das Unbequeme heute zeigt sich auf der Dauer öfter als das Richtige.

    -> Buccaneer: Danke. Ich habe ein Paar entscheidende Jahre meines Lebens in Berlin verbracht. Die Jahre (90-94) waren auch für Berlin wichtig, denke ich.

    viktualiebroder

    09 december 2009 at 09:42

  11. Liebe Svara,

    auch in Deutschland haben nur wenige etwas gegen eine Frauenquote. Sie ist sogar recht üblich. Dass sich nun ausgerechnet deren Gegner in der Piratenpartei sammeln – und diesen Protest auch nach außen tragen- besorgt die Kritik, ob der Frauenfeindlichkeit der Piraten Deutschland sowie auch das allgemeine Desinteresse. Die Piraten Deutschland wollen (und werden) aber eben auch nichts anderes sein, als pseudopolitisches Auffangbecken subjektiv diskriminierter Deutscher. Aber leider ist Opfern keine Leere eingeschrieben, darum diskriminieren sie selbst.

    Die Politik der Piraten in Schweden finde ich überzeugend. Dabei finde ich es bedauerlich, dass die Piraten in Deutschland so anders sind und anderes wollen. Bleibt zu hoffen, dass sich diese personalen Widersprüche irgendwann in Wohlgefallen auflösen und die schwedischen Piratenprinzipien auch in D Beachtung finden.

    Liebe Grüße

    Isi

    Isi

    09 december 2009 at 14:55

  12. Hallo Isi,
    üblich ja, bei < 30% Mitglieder 60% der Mandate an Frauen ist üblich, zum. bei den BundesGrünen. Vielleicht solltest du dich da umsehen. Da ist eine weibliche Identität ja ein Qualifikationsmerkmal.

    Svara, ich hab das jetzt so verstanden, dass du nicht so begeistert bist von der Entscheidung. Mich würde mal interessieren wie dass die schwedischen Piratinnen insgesamt sehen: Fühlen sie sich verschaukelt weil man sie im Endeffekt hochheben muss oder begrüßen sie den Vorteil auf evtl. Posten?

    Gruß
    Michael

    Michael

    09 december 2009 at 21:10

  13. Erstmals heisst ”svara” auf Deutsch ”Antworten”, ist also nicht meine Name😉

    –>Isi

    Es gibt viele Sachen dass Du jetzt berührst die ich einerseits nicht unkommentiert lassen möchte, die aber längere Zeit braucht als was ich im Moment aufbringen kann. Ich muss es aber zunächst so lassen. Hoffentlich finde ich im Laufe der Zeit die Gelegenheit.

    –>Michael

    Ich bin nicht so begeistert, stimmt. Ehe ich darauf eingehe möchte ich mich aber ganz die Zusammenfassung der deutschen Debatte widmen.

    Na ja, ich kann mich nicht für ”die Frauen” äussern (für ”die Männer” übrigens auch nicht), aber eine die einen von den in der Gründungsphase der Partei entscheidenden Blogs, http://opassande.se/ , Emma Andersson, hat sich aus der Prozesse rausgezogen, aus (für mich) nicht ganz klare Gründen. Aber man kann schon annehmen dass sie sich mit der Quotenregelung und der daraus entstandene Debatte nicht wohl fühlte. Sie wäre sonst, m.E., unter den 10 nationalen Kandidaten, die auf alle Regionallisten stehen werden, mit dabei gewesen.

    Es gab auch einen Frauenaufruf, wo neun Piratinnen die Nominierungsprozess verurteilte, weil es a) keine Nominierungsauschuss gab da Frauen (angeblich) schwieriger hat sich selbst zu melden und lieber gefragt werden wollen, und weil b) dass mit einer Quotenregelung die Kompetenz der nominierten Frauen direkt angefochten werden kann. ”Statt Männer überlassen zu entscheiden was positiv für Frauen ist, sollten die in der Partei aktiven Frauen eine entscheidendere Stimme bekommen” ”Funktionierende Gruppen können nicht per Algorithmus geschaffen werden”, so etwa ins deutsch übersetzt. Hier ist der Aufruf, der hauptsächlich Zustimmung geerntet hat, aber der Vorstandsentscheidung stand (und steht) fest.

    http://forum.piratpartiet.se/Topic182336-485-1.aspx

    viktualiebroder

    09 december 2009 at 22:54

  14. […] ; Details ; mehr Infos: Schweden ; Piratin über Grüne ; Stromsünder ; Menschenrechtler über Deutschland ; blöde FDP ; […]

  15. wg. svara, wusst ich nicht, hätte einen aber wundern sollen^^.

    Mal schaun wie lang das noch geht, dauert ja noch etwas bis zur Reichstagswahl.

    Ich finde es allerdings doch seltsam, dass Forderungen die ausgerechnet von der Feministenpartei (kein Annecken, die gabs/gibt wirklich) kommen könnten, vom Vorstand der Partei beschlossen wurden ohne diejenigen die es überhaupt interessiert darüber abstimmen zu lassen. Also erstmal die Frauen in der Partei zu fragen: Wollt ihr dass überhaupt? Únd nur falls dies positiv ausfällt (mit klarer Mehrheit), dann die ganze Partei darüber entscheiden zu lassen.

    Michael

    14 december 2009 at 09:25

  16. […] Vitalieschwestern und LikedeelerInnen « Viktualiebrodern Die Schwedische Piratenpartei hat eine Quotenregelung eingeführt. "Natürlich hat die Vorstandsentscheidung für Gewirbel gesorgt…" (tags: feminismus piratenpartei schweden politik frauen geschlecht gender quote) […]

  17. […] Für die deutschen Besucher Publicerad […]

  18. […] wollte es nicht glauben — über Sexismus bei den Grünen (Followup, auch zum Thema, danke […]

  19. Eigentlich ein hammer Post, aber kannst du später nicht n bisschen detaillierter sein? Dies wäre echt toll😉

    Latie Wörsta

    03 februari 2011 at 18:27

  20. Also ich meine dies war nur eine Modeerscheinung

    Wala Kocher

    03 februari 2011 at 21:44

  21. […] i den tyska debatten hösten 2009, har jag tidigare skrivit. För de tyska läsarna skrev jag en redogörelse för kvoteringen vid nomineringarna till riskdagsvalet 2010. Share […]


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